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Tuesday, 11 November 2008 |
Die berechtigten Forderungen der Tibeter werden mit unmenschlichen Haftstrafen geahndet
Tibetan Solidarity Committee, 4. November 2008
Seit dem 10. März 2008 kam es überall in Tibet zu friedlichen Protesten der
Tibeter, nicht nur in der sogenannten Autonomen Region Tibet (TAR), sondern
auch in den drei traditionellen tibetischen Provinzen. Dabei verliehen die
Tibeter ihrem Wunsch nach der Rückkehr Seiner Heiligkeit des Dalai Lama und
der Freilassung des Panchen Lama Ausdruck verliehen und forderten die
chinesische Regierung auf, ihnen ein Leben in Freiheit zu gewähren. Diese
ignorierte jedoch die berechtigten und legitimen Forderungen der friedlichen
Demonstranten und behauptete, einige der Tibeter hingen der "Dalai Clique"
und dem Separatismus an und begingen deshalb gewalttätige Akte.
Obwohl es inzwischen weithin bekannt geworden ist, daß seit dem 10. März 2008
über 200 Tibeter zu Tode kamen und mehrere Tausend schwer verletzt worden
sind und daß sich noch etwa ebenso viele in Haft befinden, hat die
chinesische Regierung dem UN-Komitee gegen Folter und anderen Gremien die
wahre Lage in Tibet verschwiegen und verfälschte Berichte vorgelegt.
Gleichzeitig werden gegen die Tibeter krasse und unfaire Haftstrafen verhängt
und ihre fundamentalsten Menschenrechte gröblich verletzt.
Zuverlässigen Informationen zufolge wurde am 28. Oktober 2008 ein
Jugendlicher aus dem Bezirk Serthar in der Tibetisch-Autonomen Präfektur
(TAP) Kardze in der Provinz Sichuan vom Mittleren Volksgericht in Dartsedo zu
zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Sein Name ist noch immer nicht bekannt.
Am 29. Oktober 2008 wurden der 26jährige Mönch Sherab Sangpo aus dem Kloster
Dongthok sowie ein Schüler an der Mittelschule in Kardze in der Provinz
Sichuan vom Mittleren Volksgericht in Kardze zu sechs Jahren Gefängnis
verurteilt. Ihnen wird vorgeworfen, am 26. März 2008 in Dartsedo eine nicht
ganz drei Meter lange tibetische Nationalflagge aufgezogen zu haben.
Am 30. Oktober 2008 wurden der 53jährige Ngoega aus Serchuteng in Kardze zu
acht Jahren und der 49jährige Norbu Tsering aus Drukhangteng zu sieben Jahren
Gefängnis verurteilt. Ngoega führte am 18. März eine friedliche Demonstration
in der Präfektur Kardze an, in deren Verlauf er schwer verletzt wurde. Norbu
Tsering war damals einer der Demonstranten.
Am Morgen des 28. Oktober 2008 wurde der 23jährige Mönch Ludrup Phuntsok, der
Herausgeber der Zeitschrift "Mahseng Zhedra“ im Kloster Achog Tsenyi in der
Präfektur Ngaba, zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt. Der 33jährige Mönch
Ludrup Yeshi bekam 13 1/2 Jahre Gefängnis. Der 42jährige Mönch Tsultrim
Gyatso und der 43jährige Mönch Ludrup Tendar wurden vom Mittleren
Zivilgericht in Barkham zu jeweils drei Jahren Gefängnis verurteilt.
Laut einer der Website der Lokalregierung Lhasas entnommenen Information
wurden Lobsang Tsemey (Pasang) und Dhola vom Volksgericht des Kreises Lhundup
im Regierungsbezirk Lhasa zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil
beinhaltete auch die Aberkennung der politischen Rechte für die Dauer von
fünf Jahren. Zusätzlich muß jeder von ihnen ein Bußgeld von 2.000 Yuan
entrichten. Kalden Chodak (Kalden), Lhakdon, Tenpa Dhondup, Lobsang Khechog,
Dorjee Dolma and Tashi Namgyal wurden zu Haftstrafen von fünf bis zu 14
Jahren verurteilt.
In einem anderen Fall verurteilte das Gericht im Kreis Chushul im
Regierungsbezirk Lhasa Phuntsok Tenpa zu drei Jahren und neun Monaten,
Phuntsok zu zwei Jahren und neun Monaten, Phuntsok Traden zu zwei Jahren und
sechs Monaten, Lobsang Tsephel zu neun Jahren sowie Aberkennung der
politischen Rechte für die Dauer von zwei Jahren, und Tsenam zu fünf Jahren
Gefängnis.
Alle diese Fälle sprechen für die derzeit äußerst prekäre Situation in Tibet.
Diese Informationen erhielten wir aus zuverlässigen Quellen in Tibet oder
entnahmen sie den Medien. Sie zeigen, wie die chinesische Regierung mit
ungewohnter Schärfe und extremen Repressionsmaßnahmen gegen das friedliche
tibetische Volk vorgeht.
Angesichts der äußerst kritischen Situation in Tibet appellieren wir an die
Vereinten Nationen und die internationale Gemeinschaft sowie
Menschenrechtsorganisationen in der ganzen Welt, die VR China zu drängen,
folgenden Forderungen stattzugeben:
1) unverzüglich unabhängige Untersuchungskommissionen nach Tibet zuzulassen;
2) unverzüglich der freien Presse Zugang zu ganz Tibet zu gewähren;
3) unverzüglich den brutalen Festnahmen, Inhaftierungen und dem Morden in
ganz Tibet ein Ende zu setzen;
4) unverzüglich alle unschuldig festgenommenen und inhaftierten Tibeter
freizulassen;
5) unverzüglich die unfairen Gerichtsverfahren und die ungerechtfertige
Verurteilung friedlicher Demonstranten einzustellen.
Übersetzung: Melanie Pelka, Adelheid Dönges, Revision: Angelika Mensching
Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)
Arbeitsgruppe München
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